Hallo werter Gast,

... ich, Jakobus der Ältere, der Stadtpatron der Stadt Herbstein, begrüße Dich recht herzlich hier am Brunnen auf dem Marktplatz.

Ich werde mich nun von meinem Sockel herunter begeben, um Dich (ich darf doch Du sagen, oder?) auf Deinem Weg durch die ringförmig um die Kirche angelegten Straßen zu begleiten. Zunächst möchte ich Dich bitten, dass Du Dich hinter mich stellst, so kannst du das

   
Rathaus, welches 1910 errichtet wurde, genau betrachten. Ein tolles Bauwerk, ein Meisterstück des Zimmermanns und seiner Gesellen, das damals schon 62.000 Mark gekostet hat. Das hört sich heute zwar wenig an, war aber bei den damaligen Stundenlöhnen eine stolze Summe. Das vorherige Rathaus stand übrigens auch schon hier, wurde aber, genau wie 63 weitere Gebäude, beim Großbrand 1907 ein Raub der Flammen.

Wenn Du nun einen Blick nach links wirfst, so siehst Du die evangelische Kirche aus dem Jahr 1882. Dahinter befeindet sich der Ostturm und rechts davon das ehemalige Amtsgericht. Hier ist heute das Fastnachtsmuseum, die "Foaselt" untergebracht.

    

Vom Parkplatz aus kann man auf die Stadtmauer gehen und eine Blick schweifen lassen, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Aber bei 1572 Sonnenstunden im Jahr dürfte die Wahrscheinlichkeit groß sein. Weit unten im Tal siehst du Rixfeld, einer der Stadtteile von Herbstein im schönen Tal der Ellersbach gelegen, ebenso die Stadtteile Schadges und Stockhausen. In Stockhausen gibt es ein barockes Schloss mit romantischem Park.
Am Ende des Rundgangs kannst du ja mal dort hingehen - für mich und mein Alter ist der Weg jedoch schon etwas beschwerlich.

Den Blick nach Osten habe ich aber schon immer genossen und hinter dem Gebirgsrücken im Süd-Osten liegen die Stadtteile Altenschlirf, Schlechtenwegen und Steinfurt, welche seit der Gebietsreform 1971/72 zur Großgemeinde Herbstein gehören.

Wenn du nun weiter nach rechts, in Richtung der kath. Kirche schaust, siehst du die Apotheke, das ehemalige Amtshaus. Es ist wahrscheinlich das ältestes Haus Herbsteins, denn eine im Keller eingehauene Jahreszahl datiert das Jahr 1567 (mir kommt es vor, als wäre es gerade gewesen!).

Übrigens der Marktplatz war früher Burgplatz, denn hier stand bis Ende des 30-jährigen Krieges die Burg. Ein Relikt aus dieser Zeit sind die Teile der Unterirdischen Gewölbe, die man auch im Rahmen einer Stadtführung besichtigen kann. Wir drehen uns nun noch ein Stück weiter und gehen die Obergasse hinauf Richtung STATT-Museum .

     

Bitte nicht so schnell, ich bin schließlich nicht mehr der Jüngste, und du verpasst vielleicht noch etwas, wie z. B. die teilweise keilförmigen Häuser um die Kirche und den Eulenturm rechts am Ende eine Sackgasse.
Wir gehen noch ein Stück weiter, biegen nun rechts ab, und schon siehst du die Stadtmauer. Hier stand früher das Obertor.

Hinter der Stadtmauer heißt es aufgepasst: Rechts siehst Du das ehemalige Gefängnis (brauchen wir heute nicht mehr, da es hier nur ehrwürdige Spitzbuben gibt), links das ehemalige Schwesternhaus, früher Kindergarten, Gemeindezentrum der kath. Kirche - heute Sitz der Herbsteiner "Foaselt", einem uralten Brauch, den ich übrigens nur von hier kenne. Daneben das große Haus war das Krankenhaus.
An der Ecke kannst du ein wenig verweilen und die den Bildstock aus dem Jahre 1730 ansehen. Er zeigt auf der Rückseite das Abbild des Hl. Michael als Begleiter der Toten, denn hier war bis 1854 der Friedhof.
Während ich mich ein wenig ausruhe, kannst Du gegenüber die steile Anhöhe zum "Hain" hinaufgehen - vermutlich eine ehemalige heidnische Kultstätte - und den Ausblick genießen. Der kleine Ort im Westen ist übrigens Lanzenhain, der höchst gelegene Stadtteil von Herbstein.

Hallo, da bist Du ja wieder! Wir gehen nun links den Fußweg zum Westturm, dem dritten Turm der Stadtbefestigung. Man beachte, wie dick die Mauern sind. Nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg kamen Ende des 17. Jahrhunderts Maurer und Steinmetze aus Tirol und halben bei dem Aufbau der Stadtmauer. Vermutlich brachten sie auch das "Foaseltenbrauchtum" mit.
Wir schlendern nun weiter in Richtung Kath. Kirche , eine barockisierte, spätgotische Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert. (Übrigens ein Besuch der Kirch lohnt sich immer). Die schönen alten Grabsteine stammen aus der Zeit, als der Friedhof noch um die Kirche herum war.

       


Nun begeben wir uns wieder auf den Marktplatz. Hier trennen sich unsere Wege. Gehst Du nun rechts den Postberg hinunter, verlässt Du den Bereich der Ringmauer. Hier stand früher das Untertor, auf dem ich bis 1819 als Beschützer der Stadt meinen Platz hatte. Dort sah ich so manchen Zeitgenossen ein- und ausgehen. Folgst Du nun der Hauptstraße "Hessenstraße" abwärts und hast dich vorher angemeldet, kannst du das Privatmuseum von Frau Ruhl besuchen. Ein Kleinod der jüngeren und älteren Geschichte der Stadt Herbstein mit eingegliedertem Puppenmuseum.

Ich aber muss nun zurück zu meinem Brunnen, denn sicherlich warten wieder Gäste auf mich, damit ich auch sie auf ihrem Weg durch Herbstein begleiten kann. Ich danke Dir für Dein Interesse für "meine" Stadt und würde mich freuen, wenn Du mich wieder einmal besuchst.

(Text: Arbeitskreis Familiengeschichte Herbstein)

 
Sie sind hier: Home >>Stadtinfo >>Unsere Stadt >>Stadtrundgang